Streuobstwiesen im Nordschwarzwald
Hochstamm-Obstbäume auf blühenden Wiesen prägen das Biet — artenreiche Kulturlandschaft zwischen Wald und Höhe. Was Streuobstwiesen sind, warum sie verschwinden, weshalb Baden-Württemberg sie fördert — und wo ihr sie rund um Schellbronn erlebt.
Streuobstwiesen sind keine Plantagen im Reih' und Glied: Auf extensiv genutzten Wiesen stehen großkronige Hochstamm-Apfel-, Birnen- und andere Obstbäume in weitem Abstand — oft alte Sorten, die man im Supermarkt selten findet. Unter und zwischen den Bäumen wächst Wiesengras; im Frühling blüht es, im Herbst duftet es nach reifem Obst. So sah lange das typische Landschaftsbild des Heckengäus und des Biets aus.

Diese lockere Struktur macht Streuobstwiesen zu einem der artenreichsten Lebensräume Mitteleuropas. In Baumkronen, Grasland und am Waldrand leben Vögel, Fledermäuse, Wildbienen und unzählige Insekten — deutlich mehr Arten als auf intensiv gemähten Wiesen oder in Monokultur-Obstplantagen. Die alten Obstbäume prägen zugleich das Bild der Höhenlage: zwischen Tannenwald und offenen Flächen, mit Weitblick über das Biet.
Im 20. Jahrhundert wurden viele Bestände zurückgebaut oder vernachlässigt — Wohnbau, intensivere Landwirtschaft und fehlende Nachfolge machten aus ehemals allgegenwärtigen Streuobstwiesen seltene Inseln. Ohne Schnitt, Nachpflanzung und extensive Mahd verfallen die Bäume; mit ihnen geht Lebensraum und sortenreiches Obst verloren.
Deshalb setzt Baden-Württemberg seit Langem auf Erhalt und Wiederaufbau. Das Land fördert unter anderem den fachgerechten Baumschnitt, Landschaftspflege und die Vernetzung von Eigentümern, Vereinen und Mostereien — mit dem Ziel, Bestände zu erhalten und Lebensräume für streuobsttypische Arten zu sichern. Größere Streuobstbestände sind im Naturschutzgesetz geschützt; Umwandlung ist nur mit Ausgleich möglich. Das Motto lautet „Erhalt durch Nutzung“: Saft aus regionalen Mostereien, Aufpreis für naturnahe Pflege, ehrenamtliches Schneiden — die Wiesen bleiben nur lebendig, wenn jemand sie nutzt und pflegt. Aktuelle Förderhinweise zum Streuobst findet ihr beim Streuobstportal des Landes.
Rund um Schellbronn steckt diese Geschichte im Boden. Am Rand des NSG Büchelberg, in Mühlhausen und am Ortsrand von Schellbronn standen früher größere Streuobstflächen — heute oft nur noch einzelne Bäume in der Landschaft. Ein lebendiges Gegenbeispiel ist die Streuobstwiese Herzbohnengarten in Steinegg: Die BUND-Ortsgruppe Biet pflegt dort seit Jahrzehnten Hochstammbäume heimischer Sorten, führt Baumschnitt und Ernte durch und hat die Fläche langfristig gesichert — ein Muster, das zeigt, was Förderung und Engagement vor Ort bewirken können.
Im Ferienpark Schellbronn und rund um Schellbronn spaziert ihr oft schon in solche Landschaft: Streuobstwiesen und Einzelbäume zwischen Waldwegen und Heckengäu, im Frühling weiß-rosa Blüten, im Spätsommer Obst zum Naschen — nur wo erlaubt. Kein Programm nötig, eher ein langsamer Spaziergang, Picknick in Sichtweite der Bäume, Fotos im Abendlicht. Die Streuobstwiesen sind hier kein Dekor, sondern Teil der Schwarzwald-Auszeit zwischen Tannenwald und offener Höhe.
